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#vDHd2021 – Erste Eventtage

Experimente

Die vDHd2021 stand (und steht noch immer, denn es ist ja noch lange nicht vorbei!) unter dem Motto “Experimente”. Der Experimentcharakter begleitet die Konferenz nicht nur inhaltlich, auch in den Eventformaten durfte und sollte experimentiert werden:

“Digitale Preisausschreiben, Interviewsessions, Schnitzeljagden, Speed-Dating, Blogparaden, etc.: anything goes – solange das Event virtuell besuchbar, offen, integrativ und mit möglichst offener Lizenz versehen und nachhaltig abgelegt ist.”

(vDHd2021 Call for Participation)

So musste auf der vDHd bislang niemand auf virtuelle Projekt-Pitches, Posterslams, Hackathons oder Museumsbesuche verzichten. Die stetige und umfangreiche Konferenzbegleitung in Form von Podcast-Kurzfolgen mit RaDiHum20 sollte an dieser Stelle ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Inhalt

  • Workshops
    • #twitter101dh
    • Glossar der Begriffe
    • Kontrastive Analyse literarischer Texte mit Zeta
  • DH-Quiz
  • Panel: Werkbänke der DH

Workshops

Schon vor der offiziellen Eröffnung am Dienstag diente die vDHd2021 als Laboratorium für experimentelle Workshops, darunter auch zwei “meiner” Steckenpferde.

#twitter101dh

Besonders fleißig waren wir im Superexperiment #twitter101dh: Super-Experiment zu Twitter, Bibliotheken und COVID-19, in welchem wir unter der Anleitung von Paul Ramisch schon zwei Wochen vorher mit dem Tweet-Scraping begonnen haben. Nachdem Mareike König am zweiten Termin unser Bewusstsein für die Entwicklung von (beantwortbaren) Forschungsfragen mit Erkenntnispotenzial geschärft hat, durfte ich am Montag eine kleine Einführung in Gephi geben und dabei die Möglichkeiten und Grenzen der Netzwerkanalyse und -visualisierung aufzeigen. Gespannt bleibe ich nun natürlich auf das Wrap-Up und die inhaltlichen Analysen unseres letzten Treffens.

Glossar der Begriffe

Im Workshop Glossar der Begriffe: Ein kollaboratives Schreibexperiment der AG Digital Humanities Theorie haben wir uns mit der noch relativ jungen AG DH Theorie einem konkreten Projekt gewidmet. In kurzen “Schreibsprints” und kleineren Gruppen näherten wir uns der Definition vorab gemeinsam gewählter Begriffe. Zudem suchten wir uns Unterstützung in Form von Expert*innen und fanden sie in Linda Freyberg (“Semiotik: Experimentieren mit Peirces Zeichenkategorien”) und Christian Vater (“Digital Humanities als Datenverarbeitung – Bausteine eines Glossars der Digital Humanities in systematischer Absicht. Ontology, Hypertext, Interface”). Die Impulsvorträge der Expert*innen warfen einerseits neue Fragen auf, boten aber auch erste Lösungansätze für die Konzeption eines solchen Glossars. Ein besonders häufig genannter Punkt war die notwendige Abgrenzung von anderen (möglicherweise ebenfalls bislang unzureichend für die DH definierten) Begriffen und die Vernetzung bzw. Kontextualisierung, beispielsweise unter Zuhilfenahme von Ontologien und Graph-Datenbanken. Hier schließt sich wiederum der Kreis zu den genannten Vorträgen und Konzepten wie dem Hypertext oder der Relationalität.

Kontrastive Analyse literarischer Texte mit Zeta

Inhaltlich konnte ich besonders viel aus dem Workshop „Kontrastive Analyse literarischer Texte mit Zeta”. Einführung in die Implementierung und Evaluation von Distinktivitätsmaßen mitnehmen. Die Organisator*innen haben es nicht nur geschafft, die Brücke zwischen Theorie und praktischem Anwendungsbeispiel zu schließen, sondern gleichermaßen alle Teilnehmenden mit ihren heterogenen Vorkenntnissen in der Programmierung und/oder Romanistik ein Stück weit abzuholen. Wer hätte gedacht, dass nur zwei Stunden ausreichend sind, um zu verstehen, was Distinktivitätsmaße sind und was Dispersion bedeutet, wie man Zeta berechnet und es auf ein bestimmtes Korpus anwendet? In einem Follow-Up im September werden wir dann erfahren, inwiefern die Ergebnisse aus unserer Anwendung von denen manueller Annotationen abweichen.

DH-Quiz

Ein ganz besonderes Highlight (und das nicht nur, weil ich das Glück hatte, einen der heiß begehrten Preise ergattern zu können), stellte natürlich das first-ever DH-Quiz dar. Quizmaster Manuel Burghardt (selbsternannt auch: der Günther Jauch der Digital Humanities #VossianAntonomasia) leitete uns mit 33 Fragen von verbreiteten DH-Tools, -Infrastrukturen, -Buzzwords über communitygefeierte Persönlichkeiten bis hin zu einigen Meilensteinen innerhalb der Entstehungsgeschichte der DH(d). Im Chat und auch auf den Monitoren herrschten ausgelassene Stimmung, an die sich im Anschluss im dafür vorgesehenen wonder.me-Raum noch weiter anknüpfen ließ.

Panel: Werkbänke der DH

Den Abschluss der ersten vDHd-Woche stellte für mich das Panel “Die Werkbänke der Digital Humanities: Zur Rolle von Tools und Software für die Forschungsarbeit” dar. Der Ausgangspunkt hierfür war der Folgende:

“Obwohl es einen breiten Konsens dahingehend gibt, dass die in den Digital Humanities eingesetzten Tools in sogenannten ‘Tool Directories’ gesammelt werden sollten, hat es bisher kein entsprechendes Projekt geschafft sich nachhaltig durchzusetzen.”

(Abstract)

Doch die DH wären ja nicht das was sie sind (und was genau sie sind, das wurde bereits an anderer Stelle ausführlichst diskutiert), wenn sie nur Probleme aufwerfen und keine entsprechenden empirisch-analytischen Lösungsszenarien aufzeigen würden. Konkret beinhaltet das zunächst die Entwicklung des ToolXtractors, mit welchem Dokumente anhand von bereits existierenden Listen nach Tool Mentions durchsucht werden können.

Erste Analysen und Visualisierungen (siehe z.B. Which DH Tools Are Actually Used in Research?, DH Tools Mentioned in “The Programming Historian” sowie die Folien zum Panel) zeigen dann bereits vielgenutzte Tools in den verschiedenen Ressourcen bzw. Korpora an. Gleichzeitig wird klar: die DH können (noch?) gar nicht ohne meta-wissenschaftliche Selbstreflektion, denn auch hier tauchen wieder eher theoretische, abstrakte Fragen auf, wie: Was sind “Tools” überhaupt? Welche Arten von Tools gibt es und müssen wir da Unterschiede machen? Welche sind für die DH relevant und welche nicht (und warum)? Müssen wir vielleicht noch tiefer einsteigen in eine “Tool Science”?

Das wiederum sorgte für verschiedenste, daran anknüpfende Überlegungen in der anschließenden Diskussion. Wie können wir eine Software Sustainability in den DH sicherstellen (bestimmt auch eine Frage für die AG DH RSE) und wie nachhaltig Zugänge dazu schaffen? Wie steht es um das Thema Software/Tool/Code Citation? Gibt es nur Ausbaupotenzial in Zitationsangaben seitens der Tool-Bereitstellung oder sollten auch Zitationspraktiken diesbezüglich weiterentwickelt werden? Des Weiteren wurden die vorgestellten Ergebnisse besprochen, über methodische Modifikationen nachgedacht und erste Interpretationsansätze diskutiert. Interessant wäre beispielsweise auch die Frage, ob es einen Bias in der Nennung bestimmter Tools gibt und wenn ja, warum das so ist. Müssen Tools einem bestimmten Qualitäts- oder Komplexitätsanspruch genügen, um erwähnt zu werden? Das Panel hat viele offene Fragen aufgeworfen und wir können gespannt bleiben, in welche Richtungen sich der hier angestoßene Diskurs entfalten wird.

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